Der Arbeitspsychologe, der Astrophysiker und Louises Lächeln…

Hatten Sie auch schon mal das Gefühl, dass in Besprechungen aneinander vorbeigeredet wird: ‚Von welchem Stern kommt der denn?‘. Hat Sie schon einmal ein Kollege mit einem ‚Birds Eye View‘, der Vogelperspektive, irritiert? Kennen Sie (leider) einen ‚Micro Manager‘ – und wie hoch ist die ‚Augenhöhe‘ eigentlich, auf der wir vermeintlich kommunizieren? Diese Gedanken haben mit Prozessen und Prozesshierarchie zu tun. Jeder arbeitet mit einer solche Hierarchie, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Lassen Sie mich dazu ein kleines Beispiel geben:

Der YouTube Film ‚Cosmic Eye‚ (für Ansicht anklicken) veranschaulicht unterschiedliche Betrachtungshöhe und -tiefe, oder auch Makroprozess und Mikrokosmos auf eine faszinierende Weise. Im Film sehen wir am Anfang ein Bild mit der Überschrift ‚Smiling Face‘, eine Momentaufnahme. Man sieht das lächelnde Gesicht von Louise, sie liegt auf der Wiese des Google Campus in Kalifornien. Die Kamera fährt erst bis in die äußeren Galaxien des Universums, dann zurück und zuletzt zoomt sie in das Auge hinein bis auf die Atomebene.

Was sagt uns der Film für das Prozessmanagement?

Lassen Sie uns dafür kurz zwei fiktive Szenarien oder auch zwei Geschichten dazu erzählen (‚Storytelling‘ also). Prozessmanagement arbeitet nicht nur mit Momentaufnahmen, sondern mit konkreten Abläufen, die am besten in Geschichten erzählt werden:
1) Szenario 1: Der Arbeitspsychologe
Ein im Google Headquarter angestellter Arbeitspsychologe untersucht den Einfluss von Sonnenlicht auf den Kreislauf und die Stimmung von Mitarbeitern am Google Campus, hier am Beispiel Louise.
2) Szenario 2: Der Astrophysiker
Untersucht wird der Einfluss der Schwerkraft auf die Anordnung der Atome im menschlichen Körper bei einer Mars-Expedition am Beispiel der Astronautin Louise. (Ich hoffe ein Astrophysiker sagt mir im Kommentar, ob das geht.)

Während der Arbeitspsychologe sich ausschließlich im ‚Universum‘ des Google Campus bewegt, untersucht er mehrere Mitarbeiter und dabei auch Louises Stimmung. Im Film sieht man ihr Lächeln.

Der Astrophysiker hingegen ist gerade gekommen, um Lisas Blutprobe vor Start einer Expedition zu untersuchen und auch später – nach Ankunft auf dem Mars. Sein Arbeitsfeld ist tatsächlich das ganze Universum bis zu den äußeren Galaxien und er wird später seine Analysen auf Atomebene durchzuführen.

Wenn sich beide in der Google-Kantine treffen und sich über ihre Projekte unterhalten wollen, müssen sie ein paar Dinge klären, um sich gegenseitig zu verstehen:

Verständnis und Augenhöhe!

Der Astrophysiker und der Arbeitspsychologe kommen nur dann ins Gespräch, wenn sie ihre Sichtweise dem Gegenüber schnell vermitteln können. Dafür sind die jeweils relevanten Ebenen verständlich zu beschreiben. Die zu untersuchenden Prozesse sind in Betriebsanleitungen, so genannten ‚Level 5‘-Dokumenten, mit detaillierten Beschreibungen versehen.

Am Beispiel des Arbeits-Psychologen könnte die Prozesshierarchie soaussehen:
Level 1: Zufriedenheit der Mitarbeiter im Google Headquarter sicherstellen.
Level 2: Die Mitarbeiter im Google-Plex Gebäude analysieren.
Level 3: Stichprobenumfang definieren.
Level 4: Mitarbeiter untersuchen.
Level 5: Körperliche Reaktionen dokumentieren.

So hilft eine Prozesshierarchie dabei, dass sich Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund im Makro- und Mikrobereich austauschen können. Das gilt für Arbeitspsychologen, für Astrophysiker, aber auch für Mitarbeiter in Firmen und anderen Organisationen. Information  über Prozessebenen und Prozessdetails erzeugen ein gemeinsames Verständnis und Augenhöhe.

Wie gefällt Ihnen das Video? Wie viele Ebenen oder Level zählen Sie? Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzung – und freue mich auf Ihren Kommentar.

Übrigens: Wenn es darum geht, Prozesse zu optimieren, setze ich auf den Gebrauch von Playbooks. Details hierzu können Sie in einem früheren Blogbeitrag lesen.