Lassen Sie mich hier einen Vergleich erneut aufgreifen, den ich bereits in einem früheren Blog–Beitrag gezogen habe: den zwischen den Notenblättern eines Orchesters und den aufgezeichneten Unternehmensprozessen. Damals hatte ich die Prozesse mit Hausaufgaben verglichen, die erledigt werden müssen, um ein gleichbleibendes Ergebnis für den Kunden zu erzeugen. Heute möchte ich das um einen zusätzlichen Aspekt ergänzen: Ein gleichbleibend ‚exzellentes‘ Ergebnis soll erreicht werden! In der Literatur wird immer wieder zurecht darauf verwiesen, dass Prozessmanagement eine Voraussetzung für Operational Excellence (OE) ist.

Eine Strategie ohne Umsetzung ist wertlos

Bei OE handelt es sich um die optimale Umsetzung einer Geschäftsstrategie im Unternehmen. Wer eine Strategie zum Erfolg führen will, setzt sich (und dem Unternehmen) im Normalfall Ziele, wie diese Strategie umsetzen ist. Ziele zu formulieren ist eine Sache. Für die operative Umsetzung sorgt dann das Tagesgeschäft, das natürlich nicht automatisch auf eine neue Zielsetzung ausgerichtet ist. Also bedarf es auch der richtigen Kommunikation einer Strategie.

„Wenn das Unternehmensziel nur dem engsten Führungskreis zugänglich ist, dann sollte man sich über die mangelnde Motivation der Mitarbeiter nicht wundern. Denn jeder Einzelne will und muss verstehen können, in welchem Kontext seine Arbeit steht.“

Christian Gansch  „Vom Solo zur Sinfonie. Was Unternehmen von Orchestern lernen können“ (Frankfurt 2006), S.199

Das Aufzeichnen von Prozessen im Rahmen des Prozessmanagements ist also ein Informations-Baustein für die Kommunikation der Unternehmensstrategie. Strategische Ziele werden auf den Arbeitsbereich jeder einzelnen Rolle im Unternehmen heruntergebrochen. Eine Feinabstimmung wird natürlich noch erfolgen müssen, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Das heißt, es muss konkrete Antworten geben auf die Frage: Was kann jeder einzelne Mitarbeiter zum Unternehmenserfolg beitragen? Die Methoden der Operational Excellence und des Prozessmanagements sorgen somit dafür, dass Ideen und Ziele operativ umgesetzt werden.

Leidenschaft und Begeisterung für die Sache

Keine Angst, dass die Definition und das Aufschreiben von Prozessen die Mitarbeiter zu stark einengen – solange die Aktivitäten für die Mitarbeiter plausibel und auf die gemeinsam verabschiedete Strategie ausgerichtet sind. Es ist auch noch kein Orchestermusiker geflüchtet, weil bei Mozart zu viele Noten notiert sind. Nur mit bestens ausgebildeten Musikern bzw. Mitarbeitern, welche die Idee des Dirigenten/der Unternehmensleitung zu einer Komposition/Strategie auch umsetzen können, wird aus einem Stück Notenpapier/einem Prozess ein Erlebnis/Ergebnis, für das man als Klassikfan/Kunde gerne bezahlt.

Ohne Notenpapier bzw. die Prozessdokumentation gelingt es nicht, das in der Strategie definierte Ziel zu realisieren. Das gilt im im Orchester, wie im Unternehmen. Ein weiterer Aspekt darf dabei nicht vergessen werden. Ein exzellentes Ergebnis entsteht am Ende auch durch Leidenschaft und Begeisterung für die Sache, wie Dirigent und Kommunikationsexperte Gansch auf Seite 216 begründet:

„Die Mitarbeiter von Unternehmen arbeiten zuallererst nüchtern und sachlich an der Materie, und dabei machen sie wie Musiker tagtäglich die mühevolle Erfahrung, dass erst die handwerklichen und technischen Aspekte das notwendige Fundament bilden, damit ihre Ideen auch Gestalt annehmen können. Emotionalität ist im Berufsleben der Motor, der uns antreibt, dennoch muss sie kontrolliert in Arbeitsabläufe integriert werden. Jede Art von Selbstverwirklichung, die sich bei allem Ideenreichtum nicht auf die Sachlage und deren Notwendigkeiten bezieht, ist kontraproduktiv.“